Expertentipps
Heiner Kehlenbeck, Geschäftsführer des natureplus e.V. (Internationaler Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen) über die Vorteile von nachhaltigem Bauen und Wohnen.
Stephan Krug, Geschäftsführer der Viabono GmbH (Dachmarke für umwelt- und qualitätsorientiertes Reisen), informiert über nachhaltige Urlaubsreisen.
Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie und der Aktion “fair spielt” klärt über fair produziertes Spielzeug auf.
Gerd Lottsiepen, Auto-Experte des Verkehrsclubs Deutschland e.V. (VCD), gibt Hinweise, worauf der Verbraucher beim Kauf eines Autos achten kann.
Prof. Dr. Rainer Stamminger, Professor für Haushalts- und Verfahrenstechnik am Institut für Landtechnik der Universität Bonn.
Nachhaltiges Bauen und Wohnen – was bringt mir das?
Heiner Kehlenbeck, Geschäftsführer des natureplus e.V. (Internationaler Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen):
“Mehr als 90 Prozent ihrer Lebenszeit verbringen Europäer in geschlossenen Räumen. Nicht nur die Skandale der Vergangenheit (z.B. Asbest, Holzschutzmittel), sondern auch aktuelle Untersuchungen zeigen, dass viele Häuser ihre Bewohner krank machen, dass die Innenraumluft selbst in neu gebauten Büros und Wohnungen belastet ist. Mehr als 25 Prozent der Deutschen gelten mittlerweile als Allergiker. Verantwortlich hierfür sind oftmals Bau- und Wohnmaterialien.
Deshalb ist es für den Verbraucher wichtig, Materialien zu erkennen, welche die Gesundheit nachweislich nicht schädigen und auch für Allergiker geeignet sind. Dies gilt uneingeschränkt für Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen. Geprüfte und zertifizierte Baustoffe und Einrichtungsgegenstände aus Naturmaterialien sind oft auch in der Lage, das Innenraumklima positiv zu beeinflussen, man fühlt sich in einem mit solchen Produkten erbauten Haus besonders wohl.
Aber nicht allein die individuelle Gesundheit ist von Bedeutung, nachhaltige Bauprodukte tragen auch zum Erhalt unserer natürlichen Lebensumwelt bei. Der Bau- und Wohnbereich verschlingt weltweit mehr als 30 Prozent aller Ressourcen. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist es unbedingt erforderlich, diesen Ressourcenverbrauch zu verringern, auf nachwachsende Rohstoffe und saubere Produktion zu setzen. Darüber hinaus sollten nachhaltige Bau- und Wohnprodukte auch hohen technischen Anforderungen gerecht werden und z.B. langlebig im Gebrauch sein. Produkte mit dem natureplus-Qualitätszeichen geben auch auf diese Anforderungen eine überzeugende Antwort.
So verringern Dämmstoffe aus Hanf oder Holzfasern nicht nur den Heizwärmeverbrauch im Winter und damit die Energiekosten, sie halten auch sommerliche Hitze wirkungsvoll fern. Kalkputze wirken auf natürliche Weise gegen Schimmel und Schadstoffe im Raum, mineralische Wandfarben halten die verputzte Wand offenporig und verbessern dadurch das Raumklima, Holzfaserplatten dämpfen wirkungsvoll den Trittschall, so dass der Hausfriede gewahrt bleibt. Weitere Informationen finden sich auf www.natureplus.org.”
Nachhaltig reisen – wie geht das?
Stephan Krug, Geschäftsführer der Viabono GmbH (Dachmarke für umwelt- und qualitätsorientiertes Reisen):
“Saubere Sandstrände, glitzerndes Meerwasser, duftende Wiesen und Wälder, rauschende Bäche, erfrischende Bergseen, schmackhafte und gesunde Speisen, klare Luft und manchmal auch einfach Stille – danach sehnen sich viele Menschen besonders in den schönsten Wochen des Jahres. Doch so paradox es klingt: Jede Reise in die Natur trägt ein wenig zu ihrer Zerstörung bei. Deshalb sollten Urlauber darauf achten, dass sie möglichst wenig Umweltressourcen verbrauchen – was übrigens keineswegs bedeutet, auf Reisekomfort zu verzichten. Nachhaltig reisen – das ist hochwertiger Reisegenuss im Einklang mit der Natur. Er ist geprägt durch:
- eine bequeme An- und Abreise, zum Beispiel mit der Bahn
- nachhaltig wirtschaftende Unterkünfte, die das Wohl der Gäste in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig Umweltressourcen schonen
- moderne Energiekonzepte in den Häusern
- eine Gastronomie, die auf gesunde Speisen und regionale Spezialitäten setzt
- einen engen Bezug zur Region, d.h. zu benachbarten Landwirten und Einzelhändlern
- besondere Landschaften und vielfältige Natureindrücke.”
Mehr Informationen zum nachhaltigen Reisen und nachhaltig wirtschaftenden Unterkünften finden Sie unter www.echtgerecht.viabono.de.
Woran kann man fair produziertes Spielzeug erkennen?
Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie und der Aktion “fair spielt”:
“Informieren Sie sich, welche Spielzeugfirmen sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten einsetzen. Die Aktion “fair spielt” hat dazu eine aktuelle Liste deutscher Spielzeughersteller veröffentlicht.
Sprechen Sie das Verkaufspersonal auf die Produktionsbedingungen des Spielzeugs an. Es ist gut, wenn der Handel merkt, dass es kritische Verbraucherinnen und Verbraucher gibt, die sich dafür interessieren. Dann kann der Handel diese Erwartungen an die Hersteller weitergeben.
Schreiben Sie die Spielzeugfirmen an und fragen Sie danach, was diese für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten tun. Adressen finden Sie unter www.fair-spielt.de. Bitten Sie um eine Kennzeichnung der Spielzeugartikel (soziales Gütesiegel), die entsprechend dem Verhaltenskodex der internationalen Spielwarenverbände hergestellt wurden.
Fragwürdige Arbeitsbedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken sind jedoch kein Grund, Spielzeug aus China generell nicht mehr zu kaufen. Wir wollen keinen Boykott, sondern eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken und eine Kennzeichnung der Spielwaren, die unter überprüften sozialen Mindestbedingungen hergestellt werden. Durch Ihren gezielten Einkauf können Sie, als Verbraucherinnen und Verbraucher, den notwendigen Wandel in China unterstützen.”
Nachhaltiger Autokauf, was bedeutet das?
Gerd Lottsiepen, Auto-Experte des Verkehrsclubs Deutschland e.V. (VCD):
“Eines der drängendsten Umweltprobleme ist der Klimawandel. Wir verbrennen viel zu viel Öl, Gas und Kohle und blasen zu viele Treibhausgase in die Atmosphäre. Deshalb gilt für den nachhaltigen Autokauf: Achten Sie in erster Linie auf den Spritverbrauch. Denn der CO2-Ausstoß ist unmittelbar abhängig von der Menge verbrannten Treibstoffs. Um Diesel und Benziner vergleichen zu können, orientieren Sie sich einfach am CO2-Wert eines Fahrzeugs. Den muss der Autohersteller für jedes Auto angeben, im Autohaus und in der Werbung.
Zur Orientierung: Sehr gut schneiden nach Bewertung des VCD Pkw ab, die weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Alles andere als nachhaltig sind dagegen Fahrzeuge, deren CO2-Ausstoß über 180 g/km liegt. Aber ein Auto belastet die Umwelt nicht nur mit Treibhausgasen. Detaillierte Angaben zu aktuellen Automodellen – auch zu Schadstoff- und Lärmbelastung – finden Sie in der VCD Auto-Umweltliste
Effizient und nachhaltig im Haushalt – Nachhaltiges Waschen
Prof. Dr. Rainer Stamminger, Professor für Haushalts- und Verfahrenstechnik am Institut für Landtechnik der Universität Bonn:
“Mit einer neuen Waschmaschine können durch reduzierten Wasser- und Energieverbrauch die Haushaltskosten für das Waschen deutlich gemindert werden. Allein die Wasserkosten schlagen beim Wäschewaschen mit bis zu zwei Drittel an den Gesamtkosten für das Waschen zu Buche. Je nach tatsächlichem Alter der Waschmaschine und den jeweiligen Nutzungsgewohnheiten können erhebliche Unterschiede bestehen. Bei der Frage, ob sich die Neuanschaffung einer Waschmaschine lohnt, hilft ein Waschrechner, der vom Fachbereich Haushaltstechnik an der Universität Bonn entwickelt wurde. Damit kann über die Eingabe individueller Nutzungsgewohnheiten und das Baujahr der verwendeten Waschmaschine ein schneller Überblick zu entstehenden Kosten ermittelt werden.
www.aktionstag-nachhaltiges-waschen.de
Waschmaschinen vertragen die volle Belastung
Durch optimale Beladung, also das tatsächlich volle Beladen der Waschmaschine können Kosten gemindert werden. In aller Regel können moderne Haushaltswaschmaschinen mit einem Beladungsgewicht von fünf bis sechs Kilogramm trockener Wäsche belastet werden. Diese Füllmenge wird aber nicht in jedem Haushalt ausgenutzt. Das Abwiegen der Wäschemenge auf einer üblichen Personenwaage, wenn die Maschine über keine Mengenautomatik verfügt, gibt Aufschluss. Moderne Waschmaschinen sind meistens auf eine Lebensdauer von mindestens 2.000 Waschgängen ausgelegt; wer die Maschine also voll belädt, hat länger was davon.”
Copyright Bild (c) Stephanie Hofschlaeger| Pixelio.de
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